Die richtigen Tools für die nächste Krise: KRITIS Projekt an der KLU gestartet
Die KLU ist stolz darauf, Teil von KRITIS ENV zu sein, einem vom BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) geförderten Forschungsprojekt mit dem Ziel, die Zusammenarbeit zwischen deutschen Behörden und privatwirtschaftlichen Unternehmen im Bereich der Lebensmittelversorgung und -sicherheit zu verbessern.

In Zeiten der Stabilität ist der private Sektor mehr als fähig, eine reibungslos funktionierende Lebensmittelversorgung in Deutschland aufrechtzuerhalten. Die COVID-19-Pandemie und der Russland-Ukraine-Krieg haben jedoch die Lieferketten extremen Belastungen ausgesetzt und die mögliche Notwendigkeit staatlicher Eingriffe aufgezeigt. Um die Handlungsfähigkeit der Behörden im Falle einer möglichen Störung der Lebensmittelversorgung zu verbessern, wurde ein bahnbrechendes Forschungsprojekt gestartet. Im Auftrag des niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz werden KLU-Professor Hanno Friedrich, wissenschaftliche Mitarbeiterin Ute Menski und ihr Team gemeinsam mit dem Softwareunternehmen CALPANA ein Werkzeug für solche Fälle entwickeln.
Entwicklung innovativer Kooperations- und Entscheidungsfindungssysteme
Von Klimawandel über Pandemien bis hin zu Cyberbedrohungen verändern sich die Bedrohungen für die kritische Infrastruktur eines Landes (in der deutschen Kurzform KRITIS) ständig, sodass der Schutz angepasst und weiterentwickelt werden muss. Die Resilienz kritischer Infrastrukturen rückt daher zunehmend in den Fokus von Forschungsprogrammen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene.
Das im März gestartete Projekt „Kritische Infrastruktur Ernährung: Entwicklung innovativer Kooperations- und Entscheidungssysteme für die Notfallvorsorge im Ernährungsbereich“ – um KRITIS ENV seinen vollständigen Namen zu geben – zielt darauf ab, den Daten- und Informationsaustausch durch die Entwicklung IT-gestützter Plattformen und Entscheidungswerkzeuge zu erleichtern.
Derzeit gibt es keine einheitlichen, etablierten Kommunikationsstrukturen zwischen privatwirtschaftlich geführten Unternehmen der Lebensmittelindustrie und den für die Notfallvorsorge im Ernährungsbereich zuständigen Bundes- und Landesbehörden in Deutschland. Darüber hinaus haben Krisenmanager der öffentlichen Hand wenig Einblick in die praktischen Abläufe privat organisierter Lebensmittelsysteme.
3-Jahres-Projekt mit mehreren Arbeitspaketen
„Ute Menski und ich beschäftigen uns seit zwei Jahren mit diesem Thema: Wie kommunizieren Unternehmen und Behörden eigentlich?“ erklärte Hanno Friedrich, Associate Professor für Güterverkehr an der KLU, bei der Projektvorstellung am 17. April. „Es braucht eine Datenbank für die Kommunikation und Koordination, und hier wollen wir als Universität Unterstützung bieten. Wir denken auch weiter in Richtung Krisen- und Anforderungsmanagement sowie Notfallpläne. Unsere Forschung hat gezeigt, dass dies schnell über regionale und sogar nationale Grenzen hinweg erfolgen kann.“
Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte und auf drei Jahre angelegte Projekt besteht aus einer Reihe miteinander verknüpfter Arbeitspakete, die darauf abzielen, ein Risikomanagement- und Kommunikationssystem auf der Grundlage der bestehenden CRISAM®-Software des Software- und Unternehmensberatungsunternehmens CALPANA zu entwickeln.
21 Behörden auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene der deutschen Regierung sowie 10 private Unternehmen, darunter das Fleischverarbeitungsunternehmen Böseler Goldschmaus, die Molkereigiganten DMK Deutsches Milchkontor und der Brothersteller Harry Brot, haben sich bereits dem Projekt angeschlossen. Workshops und Interviews mit öffentlichen und privaten Akteuren werden durchgeführt, um die Anforderungen an das System zu ermitteln.
Vorbereitung auf Lebensmittelnotfälle
Als Teil von KRITIS ENV sollen zudem eine Informationsbasis zur Verbesserung der Koordinationsfähigkeit der Behörden und ein geografisches Informationssystem zur Erhöhung der Transparenz der Lebensmittelversorgung implementiert werden.
Darüber hinaus werden konkrete Notfallpläne für städtische und ländliche Gebiete sowie ein Konzept für modellbasierte Entscheidungsunterstützung und Notfallplanung umgesetzt, die es den Krisenmanagern der öffentlichen Hand ermöglichen, Entscheidungen zur bundesweiten Lebensmittelversorgung im Krisenfall zu koordinieren.
Miriam Staudte, Niedersachsens Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, sagte bei der Vorstellung von KRITIS ENV: „Ich möchte betonen, wie wichtig es für uns als Landesregierung ist, dieses Projekt zu unterstützen. Es gab Krisen, die niemand erwartet hatte. Es gab eine schnelle Ad-hoc-Reaktion zum Thema Ernährungssicherheit, für die wir als Ministerium verantwortlich sind. Aber es wurde auch deutlich, dass es grundsätzlichen Verbesserungsbedarf gibt. Es ist wichtig, dass wir uns präventiv auf mögliche weitere Krisen vorbereiten. Eine gut funktionierende Kommunikation aller beteiligten Akteure ist dabei von entscheidender Bedeutung.“
Zusammenfassend arbeiten in diesem Projekt Wissenschaft, Industrie und Regierung zusammen, um die für die Notfallvorsorge im Ernährungsbereich zuständigen Behörden effizienter und widerstandsfähiger im Umgang mit Lebensmittelversorgungskrisen zu machen.
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