Von der KLU zum CEO: Alumni-Interview mit Victoria Herzog
Victoria Herzog, Absolventin des Masterstudiengangs Supply Chain Management, Jahrgang 2014, kann auf einen beeindruckenden Lebenslauf zurückblicken: Sie arbeitete in den Bereichen Beschaffung, Vertrieb, Analytics und Supply-Chain-Management für große Unternehmen wie Beiersdorf, Edeka und Tchibo. Jetzt ist sie CEO von The Creative Club, Europas größtem Do-it-yourself-Online-Markt. Im Interview erklärt Victoria, was sie an die KLU gelockt hat und wie ihr Studium auch heute noch ihre Arbeitsweise beeinflusst.

Bevor Du deinen Master gemacht hast, warst du bereits bei EDEKA im Supply Chain Management tätig. Warum hast du dich dann entschieden, nochmal an der KLU zu studieren?
Victoria Herzog: Ich habe mich damals für fairen Handel interessiert und wollte mich mit einem Master weiter auf Supply-Chain-Management und Logistik spezialisieren. Bei meinen Recherchen habe ich dann herausgefunden, dass die KLU damals eine der wenigen Hochschulen war, die einen spezialisierten Masterstudiengang dafür angeboten hat. Gleichzeitig wollte ich gerne mit internationaler Ausrichtung studieren, das war auch ein besonderes Highlight der KLU.
Was hast du aus deiner Zeit an der KLU mitgenommen?
Victoria Herzog: Das Studium an der KLU ist nicht nur Theorie, sondern bringt einem bei, Konzepte zu überdenken und auch eigene Ideen zu entwickeln. Außerdem habe ich viel darüber gelernt, als Team zu arbeiten. Es war unser Job, ein Umfeld zu schaffen, in dem jede und jeder gut arbeiten kann. Ich habe schon vor meiner Zeit an der KLU in interkulturellen Teams gearbeitet. Aber Probleme unter Druck in einem interkulturellen Umfeld zu lösen, war schon eine Herausforderung. Das hat mir auch für den Rest meines Lebens geholfen. Seit meiner Zeit an der KLU bin ich sehr flexibel, wenn es darum geht, mit wem ich zusammenarbeite. Ich habe gelernt, wie ich mit Menschen, die einen völlig anderen Hintergrund haben als ich, Lösungen finden kann – indem ich sie verstehe.
Wie hat dir dein Studium sonst noch bei deiner Karriere geholfen?
Victoria Herzog: Vor allem mein Elevator Pitch, den ich im Rahmen des Career Developments an der KLU entwickelt habe. Einen Elevator Pitch zu halten, ist etwas, dass ich im Rahmen meiner Arbeit immer noch ständig mache. Des Weiteren, Lösungen zu finden, die nicht alltäglich sind. Gelernt zu haben, dass Mehrdeutigkeit uns überall umgibt, und wie wir damit umgehen müssen – ebenfalls eine Aufgabe, mit der ich auch jetzt als Geschäftsführerin ständig umgehen muss. Oder ganz einfach, dass ich nicht alles weiß und nicht immer Recht habe.
Was ist The Creative Club genau und was bietet er seinen Kund*innen?
Victoria Herzog: Der Creative Club ist der größte DIY-Marktplatz Europas. Wir verkaufen unseren B2C-Kund*innen über unsere Plattformen alles, was sie brauchen, um ihre Kleidung selbst herzustellen und ihre Nähideen zu verwirklichen. Auf Makerist, einer Tochterfirma von The Creative Club, verkaufen wir alle Arten von digitalen Produkten - Ebooks, Schnittmuster, Videos - einfach alles, was man zum Nähen braucht. Auf stoffe.de und unseren 14 weiteren europäischen Plattformen verkaufen wir, was man physisch braucht: Stoffe, Garn, Schnittmuster und so weiter. Mit unserer Hilfe können Menschen etwas wirklich Hochwertiges herstellen, und brauchen keine Fast Fashion, weil sie ihre eigene Mode kreieren.
Sie sehen in ihrer Kleidung einen anderen Wert als in einem 15-Euro-T-Shirt. Die Idee hinter unserem Unternehmen ist simpel: Es dauert vielleicht eine Weile, eigene Kleidung herzustellen, aber wenn man es tut, ist man stolz auf sich selbst und hat eine größere emotionale Bindung als zu gekauften Dingen.
Wie bist du zum CEO des Creative Club geworden und was sind einige der Herausforderungen in dieser Funktion?
Victoria Herzog: Ich bin seit sieben Jahren hier tätig. Ich habe als Head of Supply Chain Management angefangen, dann die Rolle des COO übernommen und mich im Bereich Finanzen weiterentwickelt. Seit eineinhalb Jahren bin ich Geschäftsführerin. In den letzten Jahren habe ich viel über unsere Produkte gelernt und darüber, wie man eine Organisation mit 300 Mitarbeiter*innen führt. Aber ich bin auch verantwortlich für die kaufmännische Ausrichtung unseres Unternehmens. Deshalb hinterfrage ich jede Entscheidung und jeden Prozess und stelle so sicher, dass sich das Unternehmen in die richtige Richtung bewegt. Alles, was während der E-Commerce-Hochphase von Covid für das Wachstum aufgebaut wurde, muss jetzt wieder auf Rentabilität getrimmt werden, das heißt, dass jeder Unternehmensbereich dahingehend auf den Prüfstand kommt, von unserer Arbeitsweise bis hin zu unserem Produktsortiment.
Du bist auch Coachin für digitale Transformation. Was motiviert dich dazu, zusätzlich zu deinem ohnehin schon vollen Terminkalender noch Coaching anzubieten?
Victoria Herzog: Veränderung ist das neue Normal. Selbst etablierte Organisationen müssen Lösungen für die herausfordernden Entwicklungen in den Bereichen Nachfrage, Angebot, Mitarbeitermarkt, Wettbewerb und Technologie finden. Als Coachin für digitale Transformation habe ich gelernt, wie man eine Kultur des Wandels aufbaut und wie man Organisationen dabei unterstützt, effizienter zu werden, indem man Lean-Prinzipien anwendet und digitalisierte Prozesse einführt. Ich bin davon überzeugt, dass wir unsere Wirtschaft nur dann stärken können, wenn wir unsere Unternehmen in Organisationen verwandeln, die fit für den ständigen Wandel sind.







