KLU Talks Business ... mit Seán Rafter, HELP Logistics

Seán Rafters Karriere zeigt eine ausgeprägte Neugier und eine praxisorientierte Denkweise. Er begann in der Automobiltechnik und wechselte später in die Telekommunikationsberatung, bevor er vor über zehn Jahren in die humanitäre Logistik einstieg. Dabei verbindet er technisches Know-how, interkulturelle Offenheit und das Ziel, positive Veränderungen auf globaler Ebene zu schaffen.

Sean Rafter

Als Geschäftsführer von HELP Logistics, einer gemeinnützigen Tochtergesellschaft der Kühne-Stiftung, verfolgt Seán Rafter das Ziel, die humanitäre Logistik weltweit zu transformieren. Mit vier regionalen Büros in Asien, Afrika und dem Nahen Osten setzt HELP Logistics jährlich über 50 Projekte um. Dabei geht es darum, Lieferketten widerstandsfähiger zu machen, digitale Innovationen voranzutreiben, strategische Ansätze zu entwickeln und Talente zu fördern.

Im Zuge seines aktuellen Executive MBA-Studiums an der Kühne Logistics University (KLU) unterstreicht er die Bedeutung von Zusammenarbeit, Technologie und Nachhaltigkeit, um eine bessere Zukunft zu gestalten.

Wie hat sich die Rolle der Logistik in der humanitären Hilfe verändert?

Seán Rafter: Die steigende Komplexität und Häufigkeit von Krisen – Naturkatastrophen, Pandemien und Konflikte – machen Logistik unverzichtbar für die humanitäre Hilfe. Gleichzeitig steht der Sektor vor einem Widerspruch: Die Mittel schrumpfen, obwohl der Bedarf wächst. In den letzten zehn Jahren hat sich die humanitäre Logistik stark weiterentwickelt und ist heute ein dynamisches und spezialisiertes Feld. Dennoch bleibt viel zu tun, sei es im Umgang mit den Folgen des Klimawandels, bei Zugangsbeschränkungen, Sicherheitsfragen oder der langsamen Einführung neuer Technologien.

Ich habe erlebt, wie Logistik von einer rein operativen Funktion zu einem zentralen Bestandteil der Krisenbewältigung wurde. Es geht darum, Hilfe zur richtigen Zeit an den richtigen Ort zu bringen – oft unter schwierigen Bedingungen. Diese Entwicklung zeigt, dass Logistik zunehmend als strategische Schlüsselkomponente erkannt wird, die nicht nur in akuten Krisen hilft, sondern auch die Widerstandsfähigkeit für die Zukunft stärkt.

 

Welche Rolle spielt HELP Logistics dabei?

Seán Rafter: HELP Logistics versteht sich als Motor für Veränderungen in humanitären und entwicklungsorientierten Lieferketten. Wir wollen Lieferketten so gestalten, dass sie der Menschheit direkt zugutekommen. Dabei verknüpfen wir akademische Forschung, private Unternehmen und NGOs. Mit fortschrittlichen Analysewerkzeugen, Schulungsprogrammen und strategischen Partnerschaften beseitigen wir systemische Ineffizienzen und stärken gleichzeitig die lokale Verantwortung.

Ich bin besonders stolz darauf, wie wir lokale Organisationen unterstützen. Wir kombinieren globale Expertise mit lokalem Wissen, um innovative und zugleich praxisnahe Lösungen zu schaffen. Mir ist es wichtig, die Bedingungen vor Ort zu verstehen. Deshalb lege ich großen Wert darauf, mich direkt mit unseren Partnern und Gemeinden auszutauschen. Dieser enge Kontakt hilft uns, Lücken im oft unterfinanzierten humanitären Sektor zu schließen und nachhaltige Veränderungen zu bewirken.

 

Nachhaltigkeit und Resilienz gehören zu den großen Herausforderungen der Logistik. Gilt das auch für die humanitäre Logistik?

Seán Rafter: Nachhaltigkeit steht im Mittelpunkt unserer Arbeit. Der Zusammenhang zwischen menschlicher Widerstandsfähigkeit und der Anpassung an Klimaveränderungen wird immer deutlicher. Gemeinsam mit dem Climate Center der Kühne-Stiftung entwickeln wir Strategien für nachhaltige und krisenfeste Lieferketten. Dabei untersuchen wir, wie Lieferketten sich zukunftssicher und umweltfreundlich an kommende Krisen anpassen können.

Technologie spielt dabei eine entscheidende Rolle. Humanitäre Logistik folgt im Kern den gleichen Prinzipien wie andere Logistik: Sie muss effizient, anpassungsfähig und skalierbar sein. Technologien wie Künstliche Intelligenz helfen, Ressourcen besser zu nutzen, die Koordination zu verbessern und Probleme wie die fehlende Kompatibilität zwischen Systemen zu lösen. Diese Werkzeuge können besonders in ressourcenarmen Regionen, etwa Gebieten ohne stabile Infrastruktur, einen enormen Unterschied machen.

 

Welche Bedeutung hat akademische Forschung für Ihre Arbeit?

Seán Rafter: Das Centre for Humanitarian Operations Research and Development (CHORD) an der KLU wurde gegründet, um Forschung und Praxis im humanitären Sektor enger zu verbinden. Als ich bei HELP Logistics anfing, sah ich großes Potenzial, unsere Arbeit durch wissenschaftliche Erkenntnisse zu ergänzen und so innovative Lösungen schneller einzusetzen.

Mein Executive MBA-Studium an der KLU verfolgt eine ähnliche Idee. Das Programm, das sich auf Führung und Lieferkettenmanagement konzentriert, hilft mir, sowohl strategische als auch praktische Herausforderungen anzugehen. Indem wir akademisches Wissen in die Projekte und Partnerschaften von HELP Logistics integrieren, stellen wir sicher, dass unsere Arbeit fundiert und zugleich praxisnah bleibt. Die Kombination aus wissenschaftlicher Tiefe und umsetzbaren Ansätzen ist der Schlüssel, um Fortschritte in der humanitären Logistik zu erzielen.

 

Sie kennen die KLU nun schon recht gut, wie würden Sie sie in drei Worten beschreiben?

Seán Rafter: Freundlich, innovativ, divers.

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