„Zukunft Transport 2026“: Elektrifizierung, Digitalisierung und Resilienz

Ein Blick auf das Jahr 2030. Wie gelingt Dekarbonisierung im Straßentransport? Ist Elektrifizierung der Schlüssel? Und wie könnte der Status quo in der Transportbranche dann aussehen? Bei der dritten Ausgabe von „Zukunft Transport“, einem gemeinsamen Branchenevent von Shipzero, Sovereign Speed, Renault Trucks, Shell, Milence und KLU, wurden Fragen und Szenarien von rund 200 Teilnehmenden lebhaft diskutiert.

Elektrifizierung – ein realistisches Szenario?

Die Frage nach den Antriebstechnologien von morgen lud zur Kontroverse ein. Dass die Zukunft zumindest auf der Straße elektrisch ist, davon ist Nanno Janssen überzeugt: „Die Technik funktioniert und von Jahr zu Jahr wird die Elektrifizierung einfacher“, erklärte der KLU-Alumnus und Chief Strategy Officer der Nanno Janssen GmbH, einer inhabergeführten Spedition mit 90 Fahrzeugen, 60 davon bereits elektrifiziert. Sascha Hähnke, Geschäftsführer der REMONDIS Sustainable Services GmbH, widersprach aus Sicht des Branchenriesen: „Wir reden von rund einer Million Nutzfahrzeugen auf deutschen Autobahnen. Fahren die alle elektrisch, wird der Strom knapp.“ Bei etwa 100.000 E-LKWs ist Strommangel allerdings aktuell noch kein drängendes Problem – und lässt Zeit für den Ausbau erneuerbarer Energien. 

Reges Mitwirken der Teilnehmenden

Mit Impulsen, in Panels und Startup-Pitches, vor allem aber in Workshops, Best Cases- und Fishbowl-Sessions wurden Themen vertieft und zeigten, wie spannend aktuelle Entwicklungen sind. Moderiert wurde der Tag von Aileen Schmuck, Head of Open Innovation & Ecosystems beim Digital Hub Logistics & Commerce. Ein wiederkehrendes Thema: Wie kann die Verkehrswende gelingen? Die „Top 5“ der nötigen Voraussetzungen:

  • Ausreichend günstige, grüne Energie
  • Prozessintegriertes Laden
  • Depots werden zu Energie-Hubs
  • Vernetzte, intelligente Systeme erlauben Sharing
  • Krisenresilienz durch Diversifikation von Antrieben

Ein grundsätzlicher Wandel steht bevor

Eine „Zukunft Transport“-Erkenntnis: Die Verkehrswende geht weit über alternative Antriebe hinaus. Sie führt zu einer systemischen Neuausrichtung von Infrastruktur, Netzplanung, Geschäftsmodellen und Partnerschaften in der Transportbranche, weiß Prof. Dr. Moritz Petersen. „Von außen mag die Elektrifizierung langsam voranschreiten, doch in den Unternehmen vollzieht sich ein rasanter Wandel, der die Branche grundlegend verändert.“  

Der Status quo im Jahr 2030

Ein mögliches Szenario für ein elektrifiziertes Transportwesen im Jahr 2030: Logistikunternehmen erzeugen ihren eigenen grünen Strom durch Photovoltaik-Anlagen auf Depotdächern und teilen freie Ladekapazitäten. Das Booking läuft über spezielle Plattformen, während KI-Agenten die Routenplanung übernehmen und dabei Batteriestatus, Ladepunkte oder Topografie berücksichtigen.

Ein Blick auf kritische Infrastruktur

Doch was bedeutet der zunehmende Fokus auf E-Mobilität für unsere Resilienz? „Hybride Angriffe sind aktuell ein großes Thema“, betonte Prof. Dr. Hanno Friedrich, der an der KLU das FORTE-Forschungsprojekt verantwortet. Das soll die die zivile Resilienz in Krisenfällen verbessern, insbesondere die Lebensmittelversorgung. Neben Naturkatastrophen, Kriegen oder Cyberangriffen sind Stromausfälle klassische Krisenszenarien – und immer spielt die Logistik eine zentrale Rolle beim Krisenmanagement. Unternehmen sollten somit frühzeitig ihre Resilienz stärken. Systemrelevante Unternehmen, also solche die für das Funktionieren von Wirtschaft und Gesellschaft als unverzichtbar gelten, sind gesetzlich zu entsprechenden Maßnahmen gezwungen.

Mit vielfältigen Insights und intensivem Austausch erwies sich die „Zukunft Transport“ erneut als wichtiges Branchenevent.

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