Industrie und Logistik als Vorreiter der grünen Transformation in Mittel- und Osteuropa

Die grüne Transformation verändert die europäischen Volkswirtschaften. Industrie und Logistik spielen dabei eine wichtige Rolle, sowohl durch staatliche Regulierungen als auch durch innovative Unternehmen, die diesen entscheidenden Wandel vorantreiben und gestalten. Die dritte gemeinsame Konferenz des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (OA) und der KLU bot eine Plattform für Unternehmen, um über nachhaltige Produktions- und Lieferketten zu diskutieren, die für eine Kreislaufwirtschaft in Mittel- und Osteuropa und Zentralasien unerlässlich sind.

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In ihrer Eröffnungsrede wiesen Dr. Immo Schmidt-Jortzig, Geschäftsführender Direktor der KLU, und Prof. Peer Witten, Mitglied des Präsidiums und Sprecher des Arbeitskreises Logistik und Verkehrsinfrastruktur der OA, darauf hin, dass wir aufgrund des anhaltenden Konflikts in der Ukraine, der wirtschaftlichen Stagnation in Deutschland und der Klimakrise in unsicheren Zeiten leben.

Prof. Alan McKinnon warnte in seiner Keynote zum Thema "Die Rolle der Logistik in einem resilienten, klimaneutralen Europa" eindringlich: „Wir stehen am Rande einer unumkehrbaren Klimakatastrophe. Mit einem jährlichen Anteil von 10-12% an den globalen CO2-Emissionen erfordere die Erreichung der Klimaneutralität enorme Anstrengungen der Logistikbranche. Er betonte auch, dass die grüne Transformation der Wirtschaft selbst einen enormen Ressourcenverbrauch und Logistikaufwand mit sich bringe; insbesondere für den Aufbau der notwendigen Infrastruktur. Dieser Tatsache werde derzeit noch wenig Aufmerksamkeit geschenkt, so dass die Industrie das Ausmaß der vor ihr liegenden Aufgabe noch kaum verstanden habe.

Er wies auch darauf hin, dass der Weg zu Netto-Null auch „wunderbare neue Geschäftsmöglichkeiten für Logistikunternehmen“ im Bereich der Kohlenstoffabscheidung und -speicherung biete.

Kreislaufwirtschaft in Mittel- und Osteuropa – Erfolgreiche Beispiele

Die erste Podiumsdiskussion des Tages befasste sich mit dem Thema Kreislaufwirtschaft und Best Practices in Mittel- und Osteuropa.

Zum Thema Kreislaufwirtschaft in Osteuropa führte Frank Paasche, Geschäftsführer der EEW Polska (ein Tochterunternehmen der EEW-Gruppe) aus, dass in Deutschland das seit 2005 geltende Deponierungsverbot für Siedlungsabfälle ein wichtiger Wegbereiter für die Kreislaufwirtschaft gewesen sei. Die EEW-Gruppe betreibt in Mitteleuropa 17 thermische Abfallbehandlungsanlagen, die jährlich rund 5 Millionen Tonnen Abfall energetisch verwerten und die im Abfall enthaltene Energie zur Erzeugung von Prozessdampf, Fernwärme und Strom nutzen. Diese Anlagen sind ein wichtiger Bestandteil einer modernen Kreislaufwirtschaft.

Torsten Weber, Vorsitzender der Geschäftsführung von Remondis International, einem Unternehmen des weltweit tätigen Entsorgungsunternehmens REMONDIS, das unter anderem für die Aktivitäten in Osteuropa, Südeuropa und Skandinavien verantwortlich ist, erläuterte, dass extreme Kostensteigerungen und der Widerstand von Bürgerinitiativen, aber auch teilweise der Politik gegen den privatwirtschaftlichen Bau von Abfallbehandlungsanlagen in Teilen Osteuropas nach wie vor eine Herausforderung darstellen.

Sein Unternehmen habe jedoch gute Erfahrungen in Polen gemacht, wo es seit 1992 tätig sei. Im Jahr 2023 habe Remondis-Polen mehrere kohlebefeuerte Fernheizwerke gekauft. Diese würden nun dekarbonisiert, indem sie durch neue Kraftwerke ersetzt werden, die vorbehandelte hochkalorische Abfälle nutzen, die nicht mehr recycelt werden können. „Wir werden diese Anlagen dann zur Erzeugung von Wärme und Strom nutzen und zusätzlich einen lokalen Brennstoff einsetzen.“

Chancen und Herausforderungen der grünen Transformation

Die Hemmnisse für effiziente Lieferketten, darunter unzureichende Verkehrsinfrastrukturen wie fehlende Häfen und Ladestationen für Elektrofahrzeuge in Teilen Osteuropas und Zentralasiens, wurden in der zweiten Diskussionsrunde ebenso erörtert wie die Chancen der grünen Transformation in diesen Regionen.

Im Kaukasus und in Zentralasien gebe es eine Art Boom durch die „Emanzipation von Russland“, erklärte Wolfram Senger-Weiss, Vorstandsvorsitzender des Logistikunternehmens Gebrüder Weiss, und fügte hinzu, dass ganze Lieferketten neu gedacht werden müssten. „Was früher in Moskau entschieden wurde, wird heute in Istanbul, Dubai oder vielleicht sogar in Berlin entschieden.“

Johannes Tenschert, Leiter Vertrieb und Geschäftsentwicklung Deutschland der Metrans-Gruppe, betonte, das Geschäft in Osteuropa entwickele sich für Metrans „prächtig“. Das Unternehmen investiere dort massiv in die Infrastruktur der Güterverkehrsterminals. Auch die intramodale Logistik mit ihren oft kurzen Wegen zwischen Terminal und Depot sei „prädestiniert für Elektro-Lkw“, erklärte er, wobei Metrans auch mit Wasserstoff-Lkw experimentiere.

Dr. Alexandra Ogneva, Leiterin der EECCA-Vorstandsprojekte bei Rhenus, deren Unternehmen ebenfalls in Elektro-Lkw investierte, sprach darüber, dass ihr Unternehmen den Lagersektor in Osteuropa als einen Bereich für Investitionen in die grüne Transformation identifiziert habe. Neben nachhaltigen Gebäuden in Polen hat Rhenus ein Logistikzentrum in Prag, das 2023 als nachhaltigstes Industriegebäude in der Tschechischen Republik nach BREEAM ausgezeichnet wurde.

Elektrifizierung der Bahn und Investitionen von Staat und Banken

Weitere positive Akzente setzte das Panel zur Elektrifizierung der Eisenbahnen und den Investitionen von Regierungen und Banken in Infrastrukturprojekte in Osteuropa und Zentralasien.

Felix Danger, Geschäftsführer der Select New Energies GmbH, sprach über die Adria, wo die Muttergesellschaft SET Select Energy GmbH tätig ist, und darüber, dass Banken die Schaffung von Infrastruktur im maritimen Sektor mehr unterstützen, wenn sauberere Energiequellen, wie z.B. Methanol, bereitgestellt werden. „Die Banken haben die Pflicht und die Verpflichtung, mehr in die Infrastruktur für dekarbonisierte Kraftstoffe zu investieren.“

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