Mit Daten die Lieferketten von morgen gestalten: Prof. Dr. Murugaraj Odiathevar
Von Singapur über England und Neuseeland bis nach Vietnam: Die Karriere von Prof. Dr. Murugaraj Odiathevar führt über Kontinente, Disziplinen und Berufsfelder hinweg. Als neuer Associate Professor für Logistik und Business Analytics an der KLU Saigon erforscht er, wie KI und Data Science Lieferketten widerstandsfähiger machen können.

Im Interview spricht er über seinen Weg an die KLU, seine Lehrphilosophie und darüber, was ihn der Alltag in Vietnam über Resilienz und Einfallsreichtum lehrt.
Sie haben nicht nur in verschiedenen Ländern, sondern auch in Wissenschaft, Wirtschaft und internationalen Entwicklungsprojekten gearbeitet. Was hat Sie schließlich an die KLU geführt?
Mein beruflicher Weg hat mich von der Mathematik über das Ingenieurwesen bis hin zur Betriebswirtschaft geführt. Dabei hat es mich immer wieder an neue Orte verschlagen – von Singapur über England, Neuseeland und Südkorea bis nach Vietnam, wo ich heute tätig bin. Ich habe als Lehrer, Risikoanalyst, Softwareentwickler, Data Scientist und Professor gearbeitet. An der KLU laufen all diese Fäden zusammen. Hier kann ich mich in einem internationalen, unternehmerisch geprägten Umfeld frei zwischen Forschung und Praxis bewegen. Besonders schätze ich, dass die KLU unterschiedliche Disziplinen und Perspektiven miteinander verbindet – genauso arbeite ich am liebsten.
Ihre Arbeit verbindet Künstliche Intelligenz, Data Science und Supply Chain Management. Welche aktuellen Herausforderungen treiben Sie besonders um?
Ich begeistere mich für technologische Innovationen und dafür, Lieferketten widerstandsfähiger zu machen. Innovation fasziniert mich, weil neue Technologien ständig verändern, wie Unternehmen arbeiten und Wert schaffen und dadurch immer wieder neue Möglichkeiten entstehen. Resilienz ist mir wichtig, weil Lieferketten nur so stark sind wie ihre Fähigkeit, Störungen frühzeitig zu erkennen, Risiken einzuschätzen und sich an Veränderungen anzupassen.
Meine Forschung setzt genau an der Schnittstelle dieser beiden Bereiche an. Ich möchte Organisationen dabei helfen, sich besser auf Unsicherheiten vorzubereiten und fundiertere Entscheidungen zu treffen – und dabei wirtschaftliches Wachstum mit den Anforderungen der Gesellschaft in Einklang zu bringen.
Welches Grundprinzip leitet Sie in der Lehre?
Die persönliche Verbindung. Für Studierende zählt nicht nur, wie viel Wissen man vermittelt, sondern vor allem, ob sie spüren, dass einem ihre Entwicklung am Herzen liegt. Wenn dieses Vertrauen erst einmal da ist, kann ich sie inspirieren, ihren eigenen Weg zu finden, und sie ermutigen, über sich hinauszuwachsen.
Wie würden Ihre Studierenden und Kolleg:innen Sie beschreiben?
Hoffentlich als freundlich, hilfsbereit und vertrauenswürdig – aber auch als jemanden, der konsequent sein kann, wenn es darauf ankommt.
Was hat Sie in letzter Zeit überrascht? Gibt es etwas in Ihrem neuen Leben in Vietnam, das Ihren Blickwinkel verändert hat?
Überrascht hat mich die Widerstandsfähigkeit der Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern in ihrem Alltag. Es ist bemerkenswert, wie anpassungsfähig sie sind, oft mit nur wenigen Ressourcen.
Das hat mir gezeigt, dass sich Effizienz auf ganz unterschiedliche Weise messen lässt: „Fast Food“ bedeutet in Vietnam nicht McDonald’s. „Frische Lebensmittel“ kommen nicht aus dem Kühlregal im Supermarkt. Informelle Netzwerke aus Familie und Nachbarschaft sind eine Art Absicherung, die in keiner Statistik erfasst wird. Und ein Motorrad, das einen Kühlschrank durch den Straßenverkehr transportiert, ist tatsächlich ein ganz eigenes Logistiksystem.







