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Hybrid Work Tötet Büro-Beziehungen Nicht — Es Macht Sie Stärker

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In den letzten Jahren haben sich Millionen von Beschäftigten an hybrides Arbeiten gewöhnt – also daran, ihre Zeit zwischen Homeoffice und Büro aufzuteilen. Doch Unternehmen weltweit gehen den entgegengesetzten Weg und führen Rückkehr-ins-Büro-Regeln (RTO) ein, die mehrere Präsenztage pro Woche vorschreiben. Die Angst dahinter ist klar: Wenn Menschen sich nicht mehr regelmäßig persönlich sehen, verblassen die Beziehungen, die Zusammenarbeit leidet und Organisationen beginnen zu zerfallen.

Deshalb verlangt zum Beispiel SAP, dass Mitarbeitende mindestens drei Tage pro Woche im Büro verbringen – was eine Petition von mehr als 5.000 Beschäftigten provozierte (Euronews, 2024). Auch die Deutsche Bank führte eine Drei-Tage-Regel ein, inklusive Montagen und Freitagen. Beschäftigte kritisierten dies jedoch als unpraktisch, da es an Arbeitsplätzen fehle (Business Insider, 2024). Die Logik dahinter ist einfach: mehr Tage im Büro = mehr Kommunikation = stärkere Beziehungen. 

Unsere Forschung, veröffentlicht im Journal of Management Studies, zeigt jedoch: Diese Gleichung stimmt nicht. Entscheidend ist nicht, wie viele Tage jemand im Büro sitzt – der wahre Treiber für starke Arbeitsbeziehungen ist, ob Mitarbeitende das Gefühl haben dazuzugehören und sich mit ihrer Organisation identifizieren. 

Von Sorge zu Handlung

Wir führten zwei mehrwellige Studien durch, um die Auswirkungen von Hybridarbeit auf Arbeitsbeziehungen zu untersuchen. In der ersten Studie berichteten 100 Beschäftigte über ihre Sorge, den Kontakt zu Kolleg:innen zu verlieren, und darüber, wie oft sie andere über einen Zeitraum von zehn Wochen unterstützten. In der zweiten Studie – eine vorab registrierte Replikation mit 285 Beschäftigten über drei Wochen – prüften wir, ob diese Dynamik auch dann anhält, wenn hybrides Arbeiten zur Routine geworden ist. 

Die Ergebnisse waren eindeutig: Hybrides Arbeiten verstärkte die Sorge, Beziehungen zu verlieren – ein mentaler Alarm, der oft schon ertönt, bevor eine tatsächliche Entfremdung eintritt. Beschäftigte mit starker organisatorischer Identifikation reagierten auf diese Sorge mit aktiven Handlungen: Sie meldeten sich proaktiv, verteidigten die Ideen von Kolleg:innen oder boten Hilfe außerhalb ihrer eigentlichen Aufgaben an. Diese kleinen Gesten hielten bestehende Verbindungen lebendig. 

Bei Beschäftigten mit schwacher Identifikation hingegen führte die Sorge um den Beziehungsverlust selten zu Handlungen. Ihre Beziehungen waren deutlich anfälliger. 

Kurz gesagt: Hybridarbeit motiviert Menschen dazu, ihre Beziehungen zu schützen – aber nur, wenn ihnen die Organisation am Herzen liegt. 

Warum Vorgaben am Kern vorbeigehen 

Regeln wie die von SAP oder der Deutschen Bank setzen voraus, dass physische Anwesenheit automatisch Bindungen schafft. Fehlt jedoch die Identifikation, können solche Vorgaben nach hinten losgehen: Sie erzeugen Frust und untergraben Vertrauen. Unternehmen wie Bosch dagegen setzen auf ein vertrauensbasiertes „Smart Work“-Modell, bei dem Teams gemeinsam entscheiden, wie sie Remote- und Büroarbeit ausbalancieren (Bosch, n.d.). Hier steht Kultur und Autonomie im Vordergrund statt bloßer Präsenz – ein Ansatz, der deutlich besser zu den psychologischen Mechanismen passt, die wir in unserer Forschung aufzeigen. 

Lehren für Führungskräfte 

Für Organisationen ist die Botschaft eindeutig: Verwechselt Anwesenheit nicht mit echter Verbindung. Statt Kopfzahlen vorzuschreiben, sollten Führungskräfte: 

  • die Identifikation stärken, indem sie eine gemeinsame Vision kommunizieren und Teamleistungen sichtbar machen, 

  • Beziehungsarbeit fördern – etwa durch Mentoring, Peer-Recognition oder informelle Check-ins, 

  • Bürozeit strategisch nutzen – für Zusammenarbeit und Bindung, nicht als Pflichtübung. 

Hybrides Arbeiten zerstört keine Beziehungen. Die wahre Gefahr liegt in schwacher Zugehörigkeit. Wer Identifikation stärkt, sorgt dafür, dass Mitarbeitende ihre Verbindungen aktiv pflegen – unabhängig davon, wie viele Tage sie im Büro verbringen. 

Prof. Dr. Prisca Brosi

Prof. Dr. Prisca Brosi ist außerordentliche Professorin für Personalmanagement an der Kühne Logistics University (KLU). Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf psychologischen Theorien im Personalmanagement. Sie untersucht, wie Emotionen Führung, Leistung und Beziehungen innerhalb von Organisationen beeinflussen. Ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit befasst sich damit, wie der Ausdruck von Emotionen Stereotypen in Rekrutierungs- und Auswahlprozessen reduzieren kann. Darüber hinaus untersucht sie die Auswirkungen der Digitalisierung auf Stereotypen und die Zukunft der Arbeit in Organisationen. Ihre Forschungsergebnisse wurden in Fachzeitschriften wie dem Journal of Applied Psychology, Human Resource Management und dem Journal of Business Ethics veröffentlicht. Prof. Brosi lehrt Personalmanagement an der KLU und arbeitet sowohl mit Studierenden als auch mit Führungskräften zusammen. Außerdem kooperiert sie mit Organisationen bei gemeinsamen Forschungsprojekten.

Prof. Christian Tröster

Prof. Christian Tröster ist Professor für Führung und Organisationsverhalten an der Kühne Logistics University (KLU). Prof. Tröster war Mitglied der Redaktion von The Leadership Quarterly und ist derzeit Mitherausgeber des Academy of Management Journal. Prof. Tröster untersucht anhand von Experimenten und Umfragen Themen des Organisationsverhaltens wie Führung, soziale Netzwerke und Teams. Seine Arbeiten wurden in Fachzeitschriften wie dem Academy of Management Journal, dem Journal of Applied Psychology und dem Journal of International Business Studies veröffentlicht. Er unterrichtet Studierende und Führungskräfte in Spitzenprogrammen in interkultureller Kommunikation, Führung und Organisationsverhalten und führt weltweit Schulungen für Unternehmen durch.

 

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