Logistikbranche: Einigkeit über nachhaltige Lösungen, Probleme bei der Skalierung

Erste Global Sustainable Logistics Survey schafft Referenzpunkt für die UN Dekade für nachhaltigen Transport

Umfrage zeigt: 83 % der Logistikfachleute erwarten, dass Klimaanpassung einen grundlegenden Umbau der Logistiknetzwerke erzwingt – aber nur 45 % halten die aktuellen Maßnahmen für ausreichend.

Aerial view of a cargo ship carrying containers through the ocean, surrounded by clouds.
  • Logistikanbieter und ihre Kunden bewerten 21 Nachhaltigkeitslösungen nahezu identisch. Welche eingesetzt werden, geht nicht auf Uneinigkeit, sondern auf Umsetzbarkeit zurück.
  • Infrastruktur könnte zum Engpass des kommenden Jahrzehnts werden, wenn emissionsarme Fahrzeuge und Kraftstoffe schneller skalieren als die Ladenetze, Terminals und Schienenwege, auf die sie angewiesen sind.
  • Der Report gibt Empfehlungen für politische Entscheidungsträger und Logistikfachleute: zur Skalierung von Nachhaltigkeitslösungen, zum Kompetenzaufbau und zur Anpassung an Klimarisiken. 

Logistikunternehmen und ihre Kunden sind sich weitgehend einig, welche Maßnahmen Emissionen senken. Lösungen, die hohe Investitionen, öffentliche Infrastruktur oder politische Unterstützung benötigen, wie etwa Ladenetze und Schienenverkehr, hinken im Einsatz jedoch hinterher – das zeigt die erste Global Sustainable Logistics Survey (GSLS), die von der Kühne Logistics University (KLU) und dem Kuehne Climate Center (KCC) initiiert und heute veröffentlicht wurde. Der Report basiert auf Antworten von 1.085 in der Logistik tätigen Personen aus 64 Ländern und enthält 10 Empfehlungen für politische Entscheidungsträger sowie 12 für Logistikfachleute. Die GSLS ist die erste globale Längsschnittstudie zu nachhaltiger Logistik, und ihr Report 2026 schafft einen Referenzpunkt für die Beobachtung des Sektors über die UN-Dekade für nachhaltigen Transport (2026–2035). 

Keine Spaltung im Markt: Umsetzbarkeit entscheidet über die Einführung 

Die Umfragedaten widerlegen die Annahme, dass die am wenigsten verbreiteten Nachhaltigkeitslösungen auf eine Uneinigkeit zwischen Anbietern und Kunden von Logistikdienstleistungen über deren Nutzen zurückgehen. Beide Seiten zeigen bemerkenswerte Übereinstimmung in der Bewertung von Wirksamkeit und Legitimität der Maßnahmen. Die Daten deuten auf einen anderen Grund dafür hin, warum Lösungen nicht skalieren: Weniger angenommen werden diejenigen, die koordinierte systemische Eingriffe oder öffentliche Investitionen erfordern – etwa emissionsarme Kraftstoffe, Flottenelektrifizierung, Verkehrsverlagerung auf Schienen und Wasserstraßen sowie CO2 Bepreisung. Sie hängen von einem dauerhaften Engagement und Investitionen der öffentlichen Hand ab, verbunden mit koordiniertem Handeln von Politik und Wirtschaft. 

Kompetenzengpässe folgen einer Bedürfnishierarchie 

Technische und fachspezifische Kompetenzen gelten als knapp – mit regionalen Unterschieden. Ein Mangel an Emissions Calculation & Reporting Skills wird am höchsten eingeschätzt (von bis zu 60 % der Befragten) in Lateinamerika, Subsahara-Afrika und drei asiatischen Subregionen. Dieses Muster kehrt sich bei strategischen und analytischen Kompetenzen nahezu um: Systems Thinking gilt in Westeuropa als knapp (43 %). Eine Interpretation des Studienteams: Regionen, die Engpässe bei Systems Thinking und Boardroom & Executive Engagement melden, liegen nicht zwangsläufig weiter zurück, sondern haben die grundlegenderen Bedürfnisse in Form von Technologie- oder Emissionsmesskompetenzen bereits weitgehend gedeckt. 

Umbau statt Reparatur: Klimarisiken und Investitionsbedarf 

2026 ließ sich die notwendige Klimaanpassung kaum noch ignorieren: Ende Mai lagen die Temperaturen in Nordindien tagelang über 45 °C, und Lieferfahrer in Delhi arbeiteten durch die Nachmittagshitze. Mitte Juli wurde ein Güterzug der Canadian National an einem Signal von einem Waldbrand eingeschlossen; Mitte August fiel der Pegel des Rheins bei Kaub in Deutschland unter 10 Zentimeter. 

Vier von fünf Befragten (83 %) glauben, dass der Klimawandel einen grundlegenden Umbau der Logistiksysteme erfordert. Nur 45 % halten die aktuellen Anpassungsmaßnahmen jedoch mittelfristig für ausreichend. Extreme Hitze gilt in jeder Verkehrssparte und Region als das dringlichste Risiko für Vermögenswerte und Betriebsabläufe. 

Die drei wirksamsten Resilienzmaßnahmen laut der Befragten: klimaresiliente Infrastruktur, Klimarisikobewertung und Szenarioplanung sowie digitale Tools zur Überwachung von Klimarisiken. Alle drei werden über sämtliche Gefahrenarten hinweg hoch bewertet – ein Hinweis darauf, dass Investitionen in Klimaanpassung eher allgemeine Resilienz aufbauen als Schutz vor einem einzelnen spezifischen Risiko. 

Prof. Dr. Johannes Meuer, Lead Investigator der GSLS, Center for Sustainable Logistics and Supply Chains (CSLS), Kühne Logistics University: „Nachhaltige Logistiklösungen sind vorhanden, aber zu wenige schaffen den Sprung von Forschung und Pilotprojekten in die alltägliche Praxis. Der GSLS-Report 2026 zeigt, was vor Ort tatsächlich passiert und warum – und liefert damit politischen Entscheidungsträgern, Unternehmen und Lehrenden die Evidenz zum Handeln. Als erste Ausgabe einer jährlichen Reihe im Rahmen der UN-Dekade für nachhaltigen Transport schafft er einen Referenzpunkt, an dem wir den Fortschritt hin zu einer nachhaltigeren globalen Logistik messen können.“ 

Mark Major, Co-Initiator und Policy Lead der GSLS, Senior Strategy Director, Kuehne Climate Center: „Schon die Ergebnisse dieser ersten Ausgabe zeigen, wie dringend wir systemische Maßnahmen und politische Weichenstellungen brauchen, um die schleppende Verbreitung wirksamer Lösungen, den Kompetenzmangel und die Klimaverwundbarkeit der Logistik anzugehen. Wir werden dazu beitragen und Erkenntnisse sowie Empfehlungen liefern, die die Debatte informieren, Handeln anleiten und den Fortschritt über das kommende Jahrzehnt hinweg voranbringen.“ 

Die Global Sustainable Logistics Survey ist ein freiwilliger Beitrag zur UN-Dekade für nachhaltigen Transport (2026–2035), einer globalen Initiative, die nachhaltigen Transport ins Zentrum der internationalen Entwicklungsagenda rückt. 

Der vollständige Report sowie Summary Reports sind verfügbar unter globalsustainablelogisticssurvey.org, die Summary Reports in sechs Sprachen: Arabisch, Chinesisch, Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch.

Nachrichten

Neueste Artikel

Aerial view of a cargo ship carrying containers through the ocean, surrounded by clouds.

Logistikbranche: Einigkeit über nachhaltige Lösungen, Probleme bei der Skalierung

Erste Global Sustainable Logistics Survey schafft Referenzpunkt für die UN Dekade für nachhaltigen Transport

Read more

Top KLU Lehrende: Auszeichnungen für Professor Dr. Hanno Friedrich und Dr. Nils Roem…

Die Graduierungsfeier bietet jedes Jahr nicht nur Gelegenheit, die Leistungen der Studierenden zu ehren, sondern auch besonde…

Read more
Graduate receiving a certificate on stage at a graduation ceremony.

Dr. Kiran Rouven Busch mit KLU Best Dissertation Award ausgezeichnet

Der diesjährige KLU Best Dissertation Award geht an Dr. Kiran Rouven Busch – für seine wegweisende Doktorarbeit zur Verbesser…

Read more